Her mit dem sozialen Zentrum

Fast 3 Monate ist es her, dass wir öffentlich die Notwendigkeit eines sozialen Zentrums in Berlin herausgeschrien haben. Viel ist seitdem passiert, einiges hat geklappt, vieles ist schief gelaufen. Doch was geblieben ist und im Raum steht, ist die generelle Frage wie so ein Zentrum aussehen sollte, vor allem wie wir als radikale linke | berlin uns dieses vorstellen und ob es dafür überhaupt eine Notwendigkeit in Berlin gibt. Unsere gesammelten Erfahrungen zeigen, dass es keine tiefgreifende öffentliche Debatte zu dem Thema gibt. Unter anderem deswegen erscheint die Idee diffus und es ist unumgänglich alle Interessierten zusammenzuführen und die Notwendigkeit auszuloten. Mit allen Interessierten sind wirklich alle gemeint, die sich unter dem Nenner des antikapitalistischen Widerstands begreifen.
 
Denn eines sollte klar sein: Ein soziales Zentrum kann nur mit tiefgreifender Verankerung im Stadtteil bestehen. Es soll keine Gruppen- oder Parteizentrale sein, es soll Platz und Möglichkeiten für alle Bewohner_innen bieten und sich mit ihnen ständig weiterentwickeln.
 
Wir stellen uns einen Mix von Initiativen zur Selbsthilfe(Mieter-, Rechts-, Sozial-, Geschlechterberatung etc.), konkrete praktische und kulturelle Angebote(offene Werkstätten, musische Kurse, Konzerte, Partys), offene Räume für Veranstaltungen,Treffen und Wiedertreffen, und evtl. Wohnraum für Schutzsuchende und Interessierte vor. Aber das Zentrum soll auch ein Ort für politische Gruppen, Vernetzungen, Debatten und Kämpfe sein. Unser eigenes Anliegen im sozialen Zentrum ist es genau diese Kämpfe zu vereinen. Durch Debatten im Zentrum und in den einzelnen Gruppen einen gemeinsamen Nenner zu finden, die Kämpfe unter einer antikapitalistischen Anaylse zu vereinen und schlagkräftiger mit einer radikaleren Sichtweise weiterzuführen. Für uns soll das soziale Zentrum aber auch ein Ort sein, unsere Utopie von einer anderen, herrschaftsfreien Gesellschaft auszuleben und mit anderen weiterzudenken.
 
Es gilt die Vereinzelung der Kämpfe und der Individuen in dieser Stadt zu durchbrechen. Ein Mensch, der unter den Repressalien dieses Systems zu leiden hat, sei es Arbeit, Miete, Unterdrückung oder Staatsanwalt, sollte nicht im Internet nach der passenden Gruppe suchen, sich durch zig abgeschottete Hausprojekte fragen müssen um dann evtl. Hilfe zu bekommen. Die Menschen brauchen offene Räume, in denen, durch solidarisches Miteinander, politischer und sozialer
Anschluss gefunden werden kann.
 
Diese Stadt braucht viele solcher Treffpunkte, welche vernetzt, Re- und aktionsfähig sind und unter einer gemeinsamen Prämisse stehen.
 
So kann reale Gegenmacht aufgebaut und Angriffe des Systems adäquat beantwortet werden.
 
Erfahrungen aus dem Berlin der 80er Jahre und des letzten Jahrzehnts zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gruppen wie Alfa Kappa in Griechenland haben nach den Aufständen 2008 die Analyse erstellt, dass es genau bei einem Aufflammen von Kämpfen unglaublich wichtig ist, eine Basis in den Stadtteilen zu haben, um die Kämpfe zu vertiefen, zu organisieren und weiterzutragen. Das passiert nicht von heute auf morgen, das braucht Kontinuität.
 
Große Teile der kurdischen Bewegungen organisieren sich genau nach dem Prinzip von Stadtteilzentren und Gruppen. Sie stellen mit ihrer Organisierung eine reale solidarische Alternative dar und haben eine Stärke sich gegen autoritäre Elemente 
zu verteidigen. Als im Mai 2014 das soziale Zentrum Can Vies in Barcelona geräumt wurde, kam es zu einer Welle der Empörung der Anwohner_innen des Stadtviertels. Gemeinsam stoppten sie den Abriss und fingen an das Haus zusammen wieder aufzubauen. Es waren nicht nur linke und antiautoritäre Aktivist_innen, es war ein ganzer Stadteil, der sich angegriffen gefühlt und sich geschlossen gegen den Angriff auf ihre Strukturen wehrte.
 
Eines sollte nochmals wiederholt werden:
 
Wir brauchen einen Ort des gemeinsamen Lachens, Lebens, Streitens und Kämpfens. Dieser Ort kann und darf nicht von staatlicher Stelle bespielt werden. Der Ort soll sich gegen die herrschende Logik und für die Utopie einer herrschaftfreien Gesellschaft richten. Parteien, seien sie noch so freundlich gesinnt, haben dort nichts zu suchen.
 
Der Ort soll kein geschlossenes Autonomes Zentrum sein, denn davon gibt es schon viele in Berlin. Gerade die Durchmischung und der unmittelbare Bezug auf die Nachbarschaft ist die Stärke. Das soziale Zentrum soll aufgebaut werden durch die Menschen, die in der Stadt leben und die Debatte für ein Wie und Warum muss genauso geführt werden.
 
Wir habenunsere eigene Analyse und unsere eigenen Vorstellungen. Vielleicht habt ihr auch ganz andere. Lasst uns zusammen die Debatte führen, die Grabenkämpfe überwinden und das soziale Zentrum erkämpfen und aufbauen.
 
Her mit dem Sozialen Zentrum!
radikale linke | berlin