Infoveranstaltung: „Wege durch den Knast“

„Hauptziel der Knäste ist es, einige Menschen dermaßen abzurichten, bis sie berechenbar sind, so dass sie nie was „strafbares“ machen werden, vor allem nie gegen das System, welches sie unterdrückt. Der Knast ist das Damoklesschwert, welches jeden Menschen daran erinnern soll, nicht ungehorsam, rebellisch oder widerspenstig zu sein. Es funktioniert schon durch den Schatten der Angst, welchen der Knast wirft, und erstickt daher, noch bevor dieser passiert, jeden Aufstand im Keim.“ (Aufruf für die Anti-Knast Tage 2017 Berlin)

Immer noch sitzt ein Großteil der Gefangenen in Deutschland aufgrund von Schulden, Eigentumsdelikten und scheinbar unpolitischen Straftaten wie „Schwarzfahren“ oder Dealen im kleinen Maßstab im Knast.

Aber auch über politischen Aktivist_innen scheint das Damoklesschwert des Knastes wieder ein bisschen tiefer zu schweben.
Gesetzesverschärfungen wie die des Paragraphen 113 (Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte) und die Vielzahl an Personen, die nach Aktionen wie solche im Rahmen der Anti-G20-Proteste oder nach Demos im Umfeld der Rigaer Straße 94 in U-Haft gerieten oder irrsinig hohe Hafststrafen kassierten, sind die deutlichsten Anzeichen dafür.

Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen der massiven Androhung von Knast und systematischer Verfolgung linker Aktivist_innen. Wir wollen mit zwei Aktivist_innen ins Gespräch kommen, die selbst lange Zeit im Knast saßen, aber dennoch politisch aktiv geblieben sind. Warum nahmen sie das Risiko der Inhaftierung in Kauf? Welchen Umgang fanden sie mit der drohenden Individualisierung im Knast? Welches Verhältnis bestand zwischen der linken Bewegung außerhalb der Knastmauern und den Gefangenen und welchen Einfluss hatte das auf sie? Abschließend wollen wir gemeinsam diskutieren, welche gesellschaftspolitische Funktion der Knast damals wie heute einnimmt.

Die zwei eingeladenen Referent_innen werden dabei Perspektiven der kurdischen Bewegung und aus der deutschen radikalen Linken zu Zeiten von RAF und Bewegung 2. Juni vorstellen.

Wann: Mittwoch 7. März 2018 ~ 19 Uhr
Wo: Versammlungsraum im Mehringhof, Gneisenaustr. 2a

Die Veranstaltung findet im Rahmen einer Reihe zum Tag der politischen Gefangenen am 18.03.2018 statt.
Wir rufen ebenfalls dazu auf sich an der Demonstration am 18.03.2018 zu beteiligen.

Demo 18.03.2018 ~ 17 Uhr ~ Bundeskriminalamt, Am Treptower Park 5-8