In Gedenken an Sehid Sara

Am 7. April fiel die deutsche Internationalistin Sarah Handelmann in den Bergen Kurdistans bei einem Luftangriff des türkischen Faschismus. Sara hatte sich 2017 der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) angeschlossen und wurde Mitglied der Frauenguerilla YJA-Star.

Der Verlust der Genossin trifft uns schwer. Einmal mehr wurde uns eine Freundin genommen, die für eine bessere Welt, eine Welt ohne Krieg, Faschismus und Unterdrückung stritt. Einmal mehr löschten die Bomben der Besatzer Kurdistans ein Leben voller Träume und Liebe aus. Für den türkischen Faschismus und seine deutschen, US-amerikanischen und israelischen Waffenlieferanten mag es eine Nummer sein, eine Kerbe mehr auf der Axt, mit der sie die Blumen der Revolution roden wollen. Für uns stirbt eine Welt.

Dennoch ist es nicht nur Trauer, mit der wir an Sara denken. Die stille Entschlossenheit mit der sie ihre Entscheidung traf, in die Guerilla einzutreten, ihr Mut und ihre Konsequenz geben uns Hoffnung und fordern uns auf, weiter zu kämpfen, stärker zu werden und die eigene Kraft zu entdecken. Die Haltung von Genoss*innen wie Sara muss uns allen Mahnung sein.

In der zapatistischen Bewegung gibt es eine Parabel über die im Kampf für ein besseres Leben gefallenen Genoss*innen. Auf einer Insel, so wird erzählt, leben tausende Schmetterlinge. Sie leben dort in Not, Schmerz und unter Qualen. Doch sie sehen kein Land, umgeben sind sie nur von Wasser. „Wir können nicht bis zum Land fliegen, wir werden im Meer sterben“, sagen sie sich. Und so bleiben sie. Bis eines Tages ein Schmetterling für sich entscheidet: „Ich will so nicht leben und selbst, wenn ich sterbe, ich werde losfliegen.“ Der Schmetterling fliegt los. Er fliegt und fliegt, aber das Land kommt nicht. Bis ihn die Kräfte verlassen. Er fällt ins Meer und stirbt. Doch auf der Insel haben die Schmetterlinge angefangen, zu reden. „Also wenn dieser Schmetterling das kann, warum wir nicht? Und er ist ja nicht zurückgekommen, vielleicht geht es also doch!“ Ein weiterer Schmetterling nimmt sich ein Herz und fliegt los. Auch er fliegt und fliegt. Auch ihn verlässt die Kraft. Doch als er ins Meer zu sinken droht, sieht er den Körper des ersten Schmetterlings, landet auf ihm, ruht sich aus und setzt den Weg fort.

Wer weiß, wie viele Schmetterlinge es braucht, bis das neue Land erreicht ist? Aber die Hoffnung wurde in die Insel der Qual getragen und die Überzeugung, dass das Erreichen einer besseren Zukunft möglich ist. Die Gefallenen - von Sehid Dilsoz über Sehid Avaşin Tekoşin Güneş bis zu Sehid Siyar und Sehid Sara – hatten dieses Bewusstsein. Und egal, wo und wie wir für die bessere Zukunft, für den Sozialismus streiten, ohne dieses werden wir weder uns, noch die Gesellschaft ändern.

Deshalb fordern wir euch auf: Ja, trauert. Aber zugleich: kämpft. Gebt euch nicht mit ein paar Tränen zufrieden, denn es liegt in unserer Verantwortung die revolutionären Werte von Genoss*innen wie Sara in unseren Taten weiterleben zulassen. Ihre Stärke, Klarheit mit der sie sich für ein Leben in der Revolution entschieden haben sind Quell unsere Energie, diesen Weg fortzuschreiten und bestärken uns in unserer Liebe zum Leben und unseren Hass auf alles was dieses Unterdrückt und Angreift.

Sehid namirin

Hoch die internationale Solidarität

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