Für den Erhalt des feministischen Hausprojekts Liebigstraße 34

Es ist festgelegt. Am 9. Oktober frühmorgens werden die Kettenhunde des Senats nach Friedrichshain geschickt um das anarcha-queer feministische Hausprojekt Liebigstraße 34 zu räumen. Dieser Termin soll in den Augen der Oberen dieser Stadt den (vorläufigen) Endpunkt jahrelanger Auseinandersetzungen um das Haus markieren. Geltendes Recht soll durchgesetzt, Ruhe und Ordnung hergestellt werden. In diese Strategie reihen sich ebenso die angekündigten oder bereits durchgeführten Zwangsräumungen einiger weiterer Projekte wie Syndikat, Meuterei, Friedelstraße 54, Jugendzentrum Potse oder Rigaerstraße 94 ein.
Aber nicht nur autonom organisierte Orte sind bedroht. Auch tausende Mieter*innen, Gewerbetreibende, Vereine und soziale Träger müssen um ihre Bleibe bangen, denn Immobilienhaie wie Padovicz, dem Eigentümer der Liebig34, und Gröner, wie Deutsche Wohnen, Vonovia, Ado und Co. haben es auf sie abgesehen. Gegen diese allgemeine Strategie der systematischen Verdrängung und Zerstörung von Existenzen organisieren wir und viele andere Gruppen und Bündnisse seit Jahren Widerstand.
Mit der Liebigstraße 34 wird aber nicht nur ein Haus mit einigen Mieter*innen angegriffen sondern ebenso die Idee eines explizit feministischen Schutzraums. Auch wenn der Senat und Padovicz darüber kein Wort verlieren, muss auch auf diese politische Aussage hingewiesen werden. Während des ersten Lockdowns Anfang diesen Jahres sind die Fallzahlen häuslicher Gewalt sprunghaft angestiegen. Wie lässt es sich begründen, in einer Zeit, in der bereits über neue staatliche Beschränkungen fleißig diskutiert wird, einen solchen Schutzraum kurzerhand zu räumen?
Immer mehr Menschen erkennen den Zusammenhang zwischen der eigenen prekären Lebenssituation und den politischen Entwicklungen, gehen auf die Straße oder wehren sich in Initiativen gegen diesen Irrsinn. Das unterstützen wir, denn es ist die einzig vernünftige Antwort auf den neoliberalen Ausverkauf der Stadt.
Wir rufen alle diese Menschen dazu auf sich dieser nächsten Räumung zu widersetzen, zu protestieren und nicht still zustehen im Bestreben für eine Welt frei von Klassen, Patriarchat und Rassismus zu kämpfen.

Gemeinsam gegen die Stadt der Reichen – kommunales Leben aufbauen und verteidigen!

 

07.10. 18 Uhr Dorfplatz (Liebigstraße / Rigaerstraße) Nachbar*innendemo gegen Verdrängung
09.10. morgens - Proteste gegen den Versuch der Zwangsräumung der Liebigstraße 34
09.10. 21 Uhr Monbijoupark - Interkiezionale Demonstration gegen die Räumung