Demonstration im Gedenken an Silvio Meier in Berlin

Berlin - Mehr als 4000 Menschen haben am Samstag, den 22. November 2014, an der jährlichen Silvio-Meier-Demonstration in Berlin teilgenommen. Sie erinnerten an den Hausbesetzers Silvio Meier, der vor 22 Jahren von Neonazis im U-Bahnhof Samariterstraße ermordet wurde.

Die diesjährige Demonstration stand unter dem Motto „Antifa heißt Kampf ums Ganze“ und begann um 18.30 Uhr im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Die Teilnehmer zogen vom U-Bahnhof Samariterstraße, durch die Silvio-Meier-Straße, weiter über die Warschauer Straße nach Kreuzberg. Die Endkundgebung fand auf dem Spreewaldplatz statt. Neben dem Gedenken an den ermordeten Antifaschisten, wurde auch die Situation von Flüchtlingen und die rassistische Hetze gegen sie in Redebeiträgen und auf Transparenten thematisiert. Zu der Demonstration aufgerufen hatte ein antifaschistisches Bündnis aus linken Gruppen und Initiativen.

Der Sprecher des Vorbereitungsbündnisses, Marko Lorenz, zog eine positive Bilanz: „Die diesjährige Silvio-Meier-Demonstration war ein voller Erfolg. Mit 4000 Teilnehmern war die Demonstration eine der größten der vergangenen Zeit. Junge und alte Antifaschisten sind heute Abend gemeinsam im Gedenken an Silvio Meier und alle anderen Opfer faschistischer Gewalt auf die Straße gegangen“, erklärte Lorenz.

Wegen eines Naziaufmarsch im Stadtteil Marzahn wurde die Silvio-Meier-Demonstration auf 18 Uhr verlegt. „Auch die Proteste gegen den Naziaufmarsch haben gezeigt, dass die Antifa-Bewegung lebt. Antifaschismus ist auch 2014 wichtig. Die rassistische Hetze gegen Flüchtlinge – egal ob von Neonazis, 'besorgten Anwohnern' oder etablierten Politikern – zeigt, dass Widerstand mehr als notwendig ist“, sagte Lorenz.

Ebenfalls am Samstag protestierten 3000 Antifaschisten und engagierte Nachbarn gegen einen Aufmarsch der faschistischen NPD und Kameradschaftsszene in Marzahn-Hellersdorf. Die Rechten wollten gegen eine geplante Container-Unterkunft für Asylsuchende hetzen und in der Bevölkerung Angst schüren. Vereinzelt wurden der faschistische Aufmarsch gestört und blockiert. Die Gegendemonstranten machten deutlich, dass sie nichts von den rassistischen Parolen der organisierten Neonazis um den Berliner NPD-Vorsitzenden Sebastian Schmidtke und den rassistischen Bürgerinitiativen halten.

„Wir freuen uns über die große Beteiligung an der Silvio-Meier-Demonstration und den antifaschistischen Proteste in Marzahn“, stellte Nora Wessmann, Sprecherin des Silvio-Meier-Bündnisses, klar. „Um so entschiedener lehnen wir die Hetze von Berlins Innensenator Frank Henkel ab. Wer antifaschistisches Engagement als Problem betrachtet, stellt sich schützend vor den rechten Mob“, kritisierte Lorenz den CDU-Politiker, der am Freitag von einer „aufgeheizten Stimmung“ sprach.

„Henkel ist es, der für die aktuelle Situation mitverantwortlich ist: Er hat bei der Besetzung der Kreuzberger Gerhard-Hauptmann-Schule durch Flüchtlinge im Sommer 2014 bereitwillig Tote in Kauf genommen; er lässt Asylsuchende täglich abschieben und spielt zugleich die Gefahr, die von Neonazis und anderen Rassisten ausgeht, herunter“, fügt Wessmann hinzu. „Wer was gegen Nazis unternehmen will, muss das immer noch selbst tun, ohne sich von Politikergeschwätz einlullen zu lassen“, sagte sie weiter.